Interview – Alternativmusik.de

Interview – Alternativmusik.de

 

Traum’er Leben sind eine noch recht junge Band aus Hannover, die dieser Tage mit Ursprung ihr Debüt-Album veröffentlicht hat. Neben ihrem eigenen Schaffen sind sie in jüngster Vergangenheit auch oft als Mitmusiker von Kammer Sieben und anderen Gruppen in Erscheinung getreten. Ihre Musik beschreiben sie als naturverbundene Musik mit vielen akustischen Elementen und den unterschiedlichsten Einflüssen. Im kurz nach dem Wave Gotik Treffen – wo sie im heidnischen Dorf auf der Bühne standen – geführten Interview auf Alternativmusik.de hatten sie Gelegenheit, sich einmal vorzustellen, zu berichten wie es zu Traum’er Leben kam, Ideen und Themen zu beleuchten und viele weitere Dinge zu erzählen.
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Frage: Ihr seid ja noch eine recht neue Band, stellt Euch daher doch einfach mal ein wenig vor…

TL: Wir sind Traum’er Leben aus Hannover, fünf weltoffene und lebensbejahende, miteinander befreundete Musiker mit unterschiedlichen Einflüssen, aber gleichen Schwerpunkten. Wir machen naturverbundene Musik mit vielen akustischen Elementen und haben Spaß am Musizieren, nicht nur im heimischen Kämmerlein. Wir spielen in trauter Runde am Lagerfeuer genau so gerne wie auf einem großen Festival und allem zwischendrin, da Musik nunmal zu einem elementaren Lebensbestandteil von uns allen zählt. Wir sind Herz und Niere Niedersachsens und Kinder Großbritanniens.

Frage: Wie habt Ihr zu Beginn zusammengefunden und wie kam es zu dem Entschluss, die Gruppe zu gründen?

Jay: Bia und ich haben uns bei einer Geburtstagsfeier getroffen und stellten fest, dass wir die selbe Musik mögen und beide dies als Band umsetzen wollen. Zusammen mit dem Bassisten J.W.W., den wir beide kannten, entstand dann Traum’er Leben. Die Gruppe wurde schnell um weitere Musiker ergänzt, bis Traum’er Leben zu der jetzigen Formation mit Micha am Keyboard und Sven an den Trommeln im Line-Up vervollständigt wurde.
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Micha: Ich habe Jay und Bia beim Neofolk-Stammtisch Niedersachsen kennen gelernt. Wir fanden uns auf Anhieb sympathisch. In der Folge trafen wir uns immer öfter privat, wobei es bei Jay und Bia so ist, dass nach spätestens drei Minuten irgendwer ein Instrument in die Hand nimmt und nach spätestens fünf Minuten jeder im Raum etwas zum gemeinsamen Musizieren beiträgt. Nach einem Lagerfeuer-Abend auf einem Berg im Thüringer Wald fragte mich Jay, ob ich nicht bei Traum’er Leben mit einsteigen möchte.

Sven: Ich war vor einiger Zeit bei einer Proberaumparty von Traum’er Leben dabei, und habe zu später Stunde zu den Trommelstöcken gegriffen. Nach personellen Änderungen in der Band habe ich auf die Anfrage, als Trommler mit einzusteigen, nicht lange gezögert.

Frage: Wenn Ihr auf die bisherige Laufbahn zurückblickt: Wie würdet Ihr den Weg charakterisieren, der bis ins Heute geführt hat?

TL: Steil und Lang. Der Weg ist das Ziel. Immer weiter geradeaus.

Frage: Etwas, das sofort ins Auge fällt, ist Euer Bandname. Nicht nur der Name an sich, sondern auch die Zusammensetzung in Bezug auf die eigenwillige Groß- und Kleinschreibung so wie Zeichensetzung. Was steckt hinter den Namen und was hinter der Zeichensetzung?
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TL: Das ist eigentlich gar nichts Besonderes. Wir dachten an Träume, Traumata und unser Leben an und für sich. Eine Umsetzung des Namens haben wir dann übrigens auch in unserem Logo verfolgt.

Frage: Mit „Ursprung“ erschien dieser Tage Euer Debüt-Album. Beim ersten Album ist es ja nun so, dass kein Zeitdruck da ist, weil Stücke aus der gesamten Zeit davor darauf können. Aus was für einer Zeitspanne sind die Stücke auf „Ursprung“?

TL: Seit der Bandgründung im Dezember 2004 sind Lieder entstanden, von denen wir einige im September 2006 im ZK-Studio in Rennersdorf eingespielt haben. Die Aufnahmen wurden von Alex von Seelenthron gemacht, damals noch mit unserem alten Trommler. Weitere Aufnahmen entstanden im Kokopelli-Studio in Hannover. Die letzten Feinschliffe machten wir dann kurz vor dem Mastering bei dem uns befreundeten Klangspezialisten Serge, der hinreichend Erfahrungen, auch mit populären Bands aus dem schwarzen Genre hat.

Frage: „Ursprung“ – was steckt hinter dem Titel?

TL: Der Titel Ursprung beschreibt einen grundständigen Anfangspunkt, zeitlich wie örtlich. Das Wort Ursprung beinhaltet das Erwachen von Kräften und den Beginn eines Stirb und Werde Zyklus.

Frage: Welche Themen werden auf „Ursprung“ behandelt? Gibt es einen roten Faden, der sich durch das Album als Ganzes zieht?

TL: Der rote Faden des Albums ist eher lose geführt und verknüpft die einzelnen Lieder emotional und hintergründig. Die Kernthemen auf Ursprung sind Naturverbundenheit und Menschsein. Die Texte und Melodiestrukturen sind folkloristisch mit einem leicht dunklen Hauch versehen, eingängig und leicht nachvollziehbar gehalten, ohne viel zu verklausulieren.
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Frage: Gibt es Ziele, die ihr für das Album habt?

TL: Wie wohl jedes Album hat auch „Ursprung“ das Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen und diesen etwas Erhebendes zu geben. Wie der Name es schon ausdrückt, sehen wir es als Beginn unserer öffentlichen Schaffensphase. Wir werden sehen, wohin unsere Reise uns führen mag.

Frage: Ihr ward dieses Jahr auf dem Wave Gotik Treffen vertreten… Welchen Stellenwert messt Ihr dem Festival zu und welchen Stellenwert nimmt Euer Auftritt für Euch in Eurer Laufbahn ein?

SD: Für mich war es meine Bühnenpremiere mit Traum’er Leben und hatte einen sehr hohen Stellenwert.

TL: Grundsätzlich war es für uns eine Ehre, auf dem WGT zu spielen, und wir wissen, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist! Der Auftritt im Heidnischen Dorf gab unserer naturverbundenen Musik auch einen würdigen Rahmen, zumal die Wettergötter auch direkt auf unsere Texte eingegangen sind; andere Bands zahlen für solche Special-Effects tausende von Euros. 😉

Frage: Neben Eurem eigenen Auftritt helft Ihr auch Kammer Sieben live aus. Was verbindet Euch mit Kammer Sieben?

TL: Wir helfen nicht nur Kammer Sieben bei Live-Auftritten aus, sondern haben auch schon Once A Barge, Quellenthal, Aeldaborn sowie viele andere Freunde unterstützt. Zukünftige Zusammenarbeiten mit Musikern aus Italien und Spanien werden momentan angestrebt.

Frage: Wie bewertet Ihr allgemein die Tatsache, dass im Neofolk-Bereich sofort das Thema Politik auf den Tisch kommt, ganz gleich, dass es in den allermeisten Fällen um vieles, sicherlich aber nicht um Politik geht?
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TL: Wie schon mehrfach erwähnt machen wir keinen Neofolk. Unsere Musik ist frei von politischen Bezügen und widmet sich keiner Gesellschaftskritik, sondern behandelt viel positive, menschlichere Themen, die in keinem politischen Korsett eingezwängt sein wollen.

Frage: Gibt es in Euren Augen Wege, die aus dieser Sackgasse führen könnten? Mit „Looking for Europe“ wurde sicherlich schon einmal ein Fundament geschaffen, aber wie jüngst der Fall Dehnke zeigte, gibt es nach wie vor massive Ressentiments.

TL: Jeder Weg zum menschlichen Miteinander hat seinen Ursprung in gegenseitigem Respekt und der Rücksichtnahme auf die Geschichte und Gefühle anderer.

Frage: Auch bei MySpace ist klar Eure Verbundenheit zu Kammer Sieben und zu Krankpop zu sehen. Wie seht Ihr den Einfluss von MySpace auf die Musikszene und auf die Möglichkeit für Gruppen, bekannt zu werden? Ich muss für meinen Teil zum Beispiel gestehen, dass ich ohne MySpace vermutlich erst deutlich später auf Euch gestoßen wäre.

TL: Wir nutzen das Internet als modernes Kommunikationsmedium, als Darstellungsmöglichkeit unseres Projektes. Myspace ist eine tolle Grundlage für den Austausch von Musikern untereinander und mit den Fans und ist ein wichtiger Bestandteil vieler internationaler Musikzweige geworden. Daraus resultiert eine Art Verpflichtung in diesem Portal eine Visitenkarte zu hinterlassen, um beachtet zu werden. Die Frage wie wir so etwas finden ist ein wenig müßig, als Band wie auch als Privatperson kann man den „neuen Medien“ nicht entfliehen. Unsere Freunde bei Myspace entstammen den unterschiedlichsten Musikstilen und -Richtungen aus vielen Ländern der Welt, wie Latein-Amerika, USA, Frankreich, Spanien, Italien, Türkei, Israel oder Dänemark.

Frage: Auf einem Foto bei MySpace sieht man Euch gemeinsam mit :Of the Wand and the Moon:. Was verbindet Euch mit der Gruppe?

TL: Wir haben zusammen viel gelacht, getrunken und gesungen und haben schon eine Menge Spaß zusammen gehabt. Das gegenseitige musikalische Interesse ist da und wir fühlen uns freundschaftlich verbunden.

Frage: Gibt es allgemein Gruppen, die Ihr als Vorbilder und/oder Einflüsse nennen könnt?
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SD: Meiner persönlichen Meinung nach wächst kein Ast allein aus dem Boden heraus, sondern hat tief unter der Erde Wurzeln und einen Stamm, der ihn in die Lüfte hebt. Wir betrachten unsere Musik als eigenständig aber natürlich gibt es musikalische Einflüsse auf unser musikalisches Schaffen. Dies hier alle aufzuzählen ist jedoch schwierig, da jedes Bandmitglied seine eigenen Einflüsse mitbringt. Ich möchte hier für meinen Teil Johnny Cash, Tony Wakeford und die beiden Zwillinge Humberstone nennen.

Micha: Vorbilder habe ich keine; Einflüsse allerdings habe ich mein ganzes Leben lang gesammelt und in mich aufgesogen. Diese Eindrücke spiegeln sich natürlich in unserem musikalischen Schaffen wider, genauso wie uns das hier und jetzt allzeit inspiriert.

Jay: Persönlich bin ich schon immer von Musik geprägt, die außerhalb des kommerziellen Mainstreams stand, egal, ob es seinerzeit die Mod-Phase war oder meine frühe Punk- und Wavezeit. Inspiriert werde ich genreübergreifend von großen Werken der Klassik und der Neuzeit. Solange ein Künstler mit Leib und Seele bei seiner Musik ist, verdient er meine Beachtung und meinen Respekt. Ein Werk ist dann großartig, wenn es die Gedanken und Gefühle des Schaffenden 1:1 in Töne und Schwingungen umsetzt und man sich darin fallen lassen kann. Der Funke muss überspringen und Dich in seinen magischen Bann ziehen.

Frage: Was sind Eure Ziele für die nahe und ferne Zukunft? Wie geht es nach „Ursprung“ weiter?

TL: Damit „Ursprung“ viele Leute erreicht, werden wir in möglichst vielen Städten spielen. Aktuell stehen Termine in Barcelona, Osnabrück und Hamburg auf dem Plan. Live kommen unsere Stücke noch druckvoller und direkter daher. Personelle und musikalische Entwicklungen in der Band lassen absehen, dass wir uns in nicht allzu ferner Zeit an die Arbeit für ein Nachfolgewerk machen werden.

Frage: Das war es von meiner Seite mit Fragen… Der obligatorische Schluss: Gibt es Ergänzungen, die Ihr gerne vornehmen würdet? Irgendwas, das nicht gefragt wurde, Ihr aber gerne noch loswerden würdet?

TL: Danke für Dein Interesse! God save the Kings and Queens!

Homepage: www.traumerleben.de
MySpace: www.myspace.com/traumerleben

Interview: Marius Meyer

Bilder: Elmar “Ritti” Herrmann (Vielen Dank für das freundliche Zurverfügungstellen! Weitere seiner hochkarätigen Aufnahmen gibt es unter www.rittis.de zu bewundern.)

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