Obliveon

TRAUM’ER LEBEN

Das Rauschen der Winde

„Ursprung“ lautet das beeindruckende Erstlingswerk der Hannoveraner Traum’er Leben, einer Band, die rein musikalisch betrachtet Neofolk spielt, sich aber, im Gegensatz zum Gros der Szene, von allen politischen Inhalten distanziert. Dass Traum’er Leben dabei aus dem Westen unserer Republik stammen zeigt, dass die Trennung zwischen Bands aus dem Osten, die ehemals in diesem Genre deutlich überwogen haben – man denke nur an Forseti, Orplid, Dies Natalis oder Darkwood – und dem Westen mit Bands wie Nebelung, Aeldaborn oder eben Traum’er Leben, um nur einige zu nennen, mittlerweile überwunden scheint. Wer sich zudem öfter mal bei Myspace umtut wird feststellen, dass Traum’er Leben hier zu den wenigen Bands zählt, die ihre Freundschaften im wahrsten Sinne des Wortes pflegt, was im Laufe der Zeit zu einigen Kollaborationen geführt hat. Die Natur ist das bestimmende Thema im lyrischen Kontext Traum’er Lebens, aber auch das tägliche Miteinander mit all seinen Problemen und Herausforderungen.
TL: >> Unser Debut-Album wollten wir unbedingt zu unserem Auftritt beim Wave-Gotik-Treffen 2007 fertig haben. Die Aufnahmen dazu entstanden in drei verschiedenen Studios und wir haben uns ein wenig Zeit gelassen, um hier und da noch einmal etwas neu zu machen. Unser Tontechniker Serge musste kurz vor der Fertigstellung dann beruflich in die Schweiz, was unsere direkte Kommunikation etwas verzögerte. Dann liefen die ersten CDs im Presswerk nicht und erst beim dritten Anlauf war eine lauffähige Master-CD dabei. Alles in allem haben wir jedoch diesen Stress gut verkraftet und sind stolz auf das vorliegende Ergebnis. <<

Wie seid ihr selbst, trotz aller Probleme bei der Produktion und dem Mix, mit dem Album und den Songs zufrieden?

TL: >> Wir sind mit dem Sound und der Qualität von „Ursprung“ absolut zufrieden. Die Produktion des Albums hatte sich bereits in die Länge gezogen, so dass wir hier einen Schlussstrich gezogen und einfach losgelassen haben. Für weitere Veröffentlichungen möchten wir zukünftig mehr von der Wärme und Natürlichkeit transportieren, die uns auch bei Live-Auftritten auszeichnet. <<

„Ursprung“ als Titel des Albums legt den Verdacht nahe, dass es sich bei den zehn Stücken der CD um ein Konzept handelt. Um die Suche nach dem Ursprung, nach den Wurzeln, um Erneuerung aber auch um die Suche selbst, getreu nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Seid ihr mit einem festen Konzept an das Album herangegangen oder ist diese thematische Verbundenheit Teil des Gesamtkonzeptes Traum’er Lebens?

TL: >> Um ein Konzeptalbum im engeren Sinne handelt es sich bei „Ursprung“ nicht. Der Ursprung ist der Anfang und die Entstehung von etwas Neuem. Er ist die Quelle unserer Schöpfung. Der Ursprung ist der Ausgangspunkt, von dem aus etwas zu werden beginnt. Es folgt die weitere Entwicklung, die jedoch immer auf dem Ursprung basiert. <<

„Die Reise“ und „Der Weg ist das Ziel“ sind schon jetzt so etwas wie Bandklassiker. Merkt Ihr als Band, wenn euch ein Lied besonders gut gelingt, wo alles besonders gut ineinander greift und wo die Kombination aus Text und Musik ganz besonders gut geworden ist?

TL: >> Ja, natürlich merken wir das selbst auch. Es gibt Lieder, die spielt und singt man einmal und weiß, das ist es. Als Künstler haben wir letztendlich eine relativ enge Beziehung zu all unseren Liedern; und wie der Hörer sicherlich auch, hat jedes Bandmitglied seine eigenen Favoriten im Repertoire. <<

Wie wichtig ist euch als Band der Bezug zur Natur? Kann man die Schönheit der Natur, die in unserer Gesellschaft ja leider immer mehr abhanden kommt, durch Musik vermitteln?

M: >> Musik ist doch Natur, so wie die Natur auch Musik ist. Das wird jeder bestätigen können, der schon einmal der Sinfonie des Waldes, dem Rauschen des Windes und dem Gesang der Vögel gelauscht hat. Künstler auf der ganzen Welt versuchen seit jeher, malend, dichtend oder musizierend die Natur zu portraitieren. <<

J: >> Musik ist ja erst einmal nichts weiter als Schwingungen. Mit diesen kann man die Natur nachahmen oder sie gezielt zur Manipulation einsetzen. Musik verändert Dein Wesen. Sie kann dich stressen, dich unterstützen oder verbiegen. Wir versuchen, dass sich unsere Lieder im Einklang mit der Natur befinden. Unser Ziel ist die Liebe. Im übrigen finde ich die Natur nicht unbedingt als schön, sondern den ständigen Lebenskampf in allen Dingen als hart und grausam. Die Optik täuscht da manchmal ein wenig drüber hinweg. <<
Es gibt einen „Hidden Track“ auf „Ursprung“ der zeigt, dass ihr, wie ich finde, darüber hinaus auch einen sehr feinen Sinn für Humor habt, indem Ihr den Massenmörder Hamann besingt. Gibt es weitere solcher kleine Überraschungen für die Zukunft?

TL: >> Es wären ja dann keine Überraschungen mehr, wenn wir das jetzt verraten 😉 <<

Ursprünglich hattet Ihr geplant zu „Beltane“ an den Externsteinen zu musizieren, was leider nicht geklappt hat. Seid Ihr solchen Lagerfeuerrunden an Orten wie z.B. den Externsteinen gegenüber sehr aufgeschlossen und spontan?

TL: >> Ja, wir mögen kleine familiäre Runden sehr gerne. Normalerweise wären wir auch gern dort gewesen, aber die Umstände – CD-Produktion und Vorbereitung auf die Auftritte beim WGT – ließen dies leider nicht zu. <<

Was verbindet euch mit den „Externsteinen“, habt Ihr diese doch auch zusammen mit „Of the Wand and the Moon: besucht.

M: >> Die Externsteine sind ein beeindruckendes Naturdenkmal voller Spiritualität. Kim Larsen wollte sie besuchen und wir waren dann alle gemeinsam dort. <<
Seht ihr euch dem Heidentum verpflichtet? Wie lebt man als praktizierender Heide in einer Welt, wo immer mehr Natur zerstört wird und man mittels Emissionshandel meint, die Ozonbelastung der Erde reduzieren zu können?

M: >> Ich persönlich praktiziere nichts, was mit Dogmen einher geht und dementsprechend sehe ich mich auch zu nichts verpflichtet. Es ist aber für mein Empfinden sinnvoll, den von dir angedeuteten globalen Prozessen eine Opposition zu bieten. <<

W: >> Die heidnischen Bräuche sollten nicht ganz in Vergessenheit geraten, ich praktiziere aber nichts und fühle mich zu nichts verpflichtet. <<

J: >> Die Vorstellung einer sich nähernden Apokalypse macht es einem nicht unbedingt einfacher. Aber wir leben nun einmal im Hier und Jetzt und müssen versuchen, das Beste daraus zu machen. Ich selbst bin mir nicht einmal sicher, wo ein heidnischer Brauch anfängt; da gibt es auch sicherlich viele, die wesentlich mehr Wissen darum haben. Mich persönlich reizen Rituale, die mit Feuer zu tun haben, ganz gleich, ob es ein festlicher Osterräderlauf oder ein heimisches Lagerfeuer ist. <<

M: >> Solche Feuer mag ich allerdings auch 😉 <<

Im Interview mit „Alternativmusik.de“ grenzt ihr euch bewusst gegen den Begriff des „Neofolk“ als stilistische Umschreibung ab und auch beim WGT habt Ihr nicht mit den ganzen Neofolk-Bands gespielt, sondern seid im „Heidnischen Dorf“ aufgetreten. Habt ihr Angst in eine musikalische Ecke gedrängt zu werden, die leider immer wieder, so wie auch in diese Jahr, (handfesten) Angriffen aus dem Antifa- und Linksautonomen-Umfeld ausgesetzt ist, oder warum diese bewusste Abgrenzung?

TL: >> Es lag nicht in unserer Entscheidungsmacht, wo und wann wir beim WGT auftreten konnten, für das Programm zeichnen sich die Veranstalter verantwortlich. Was die Nähe zur Natur angeht, waren wir mit den Rahmenbedingungen jedoch recht zufrieden. Was du ferner als bewusste Abgrenzung wahrnimmst, das ist vielleicht nur unsere Eigenständigkeit. <<

Eure Texte auf „Ursprung“ lassen keine politischen Themen erkennen sondern sind vielmehr von persönlichen und naturbezogenen Themen gekennzeichnet. Ist Politik ganz bewusst kein Thema für Traum’er Leben?

TL: >> Traum’er Leben ist keine politische Band und möchte über den persönlichen Erlebnishorizont hinaus keine politische Botschaft transportieren. <<

W: >> Also für mich ist das kein Thema oder andersrum gesagt: eine Band mit politischen Themen wäre für mich inakzeptabel. <<

Wie habt ihr den Auftritt beim WGT selbst gesehen und empfunden, abgesehen von den Wetterbedingungen?

M: >> Er hat uns viel Spaß gemacht. Danke an die vielen Menschen, welche im Heidnischen Dorf waren, um unserem Auftritt beizuwohnen. <<

W: >> Beeindruckend, gerade wegen dem Wetter. Wenn sich so viele Besucher für uns bis zum letzten Ton bis auf die Knochen durchregnen lassen, habe ich einen riesigen Respekt davor. <<
Traum’er Leben ist eine der wahrscheinlich umtriebigsten Bands auf Myspace, zapped man sich mal so durch die Gästebücher und die Einträge dort. Wie wichtig ist Myspace für euch als Band in dem Bestreben sich bekannter zu machen? Findet sich durch Myspace auch so etwas wie ein Zusammenhalt unter den Bands wieder, oder sind diese Bekanntschaften unter dem Strich dann doch meist „nur“ virtueller Natur?

TL: >> Tatsächlich, sind wir so umtriebig? Nun, wir sind auf unserem Weg schon vielen anderen Musikern begegnet, woraus dann sowohl reale Freundschaften als auch Zusammenarbeiten resultierten. In gewissem Maße lässt sich das vielleicht auch virtuell ablesen. Das Web2.0 fördert durchaus nicht nur den Kontakt zur allgemeinen Hörerschaft, welcher uns sehr wichtig ist, sondern dient darüber hinaus auch der Pflege von Kontakten unter den Musikern, das ist richtig. Myspace ist eben ein moderner Marktplatz für Musik, dem wir uns nicht verschließen möchten, oder zumindest ein virtueller Laufsteg für die Musiker, eine kleine Bühne, auf der man 24h am Tag seinen Auftritt hat. <<

Eure Freundschaf zu Kammer Sieben ist hinreichend bekannt. Gibt es darüber hinaus andere Bands und Projekte, die Ihr musikalisch unterstützt oder wo es zukünftig vielleicht zu gemeinsamen Projekten kommen wird?

M: >> Wir haben bisher Once A Barge, Quellenthal, Kammer Sieben und Aeldaborn live unterstützt. <<

J: >> Was die Zukunft angeht, kann ich auch noch nicht viel mehr verraten. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit Fabio von All My Faith Lost. <<

(Neo)Folk ist in den letzten Jahren zumeist ein Phänomen aus den sogenannten „neuen“ Bundesländern gewesen, doch mit Kammer Sieben, Nebelung, Hekate oder auch Traum’er Leben macht sich der „Westen“ unserer Republik nun auch endlich bemerkbar. Habt ihr als Neofolk-Fans eine Erklärung für diese regionale Konzentration im Osten? Purer Zufall alleine kann es ja nicht sein, oder?

M: >> Das mag dadurch begründet sein, dass puristische Musik mit deutschen Texten in den „neuen Bundesländern“ eine größere Tradition hat. Ich denke außerdem, dass die Bands in Westdeutschland, und es gibt davon deutlich mehr, als du aufgezählt hast (ohne Frage, Anm. d.Verf.) , in der Vergangenheit nicht von einem vergleichbaren Netzwerk aus Musikern, Hörerschaft, Labels und Veranstaltungsorten profitieren konnten. Diese lokale Konzentration gibt es in der Form wie von dir skizziert aber schon länger nicht mehr. <<

W: >> Seit Ende der Neunziger ist die jährliche fahrt zum WGT nach Leipzig fester Bestandteil meines Lebens und deswegen gibt es in meinem Kopf dieses Ost-/West-Ding schon lange nicht mehr! <<

„Urprung“ erscheint/erschien in drei verschiedenen Ausgaben. Als „normale CD, dann als WGT-Auflage mit einer limitierten Bonus-CD und dann als streng limitierte Box mit Flöte, T-Shirt und weiteren kleinen Gimmicks. Diese verschiedenen drei Formate legen für mich den Verdacht nahe, dass Ihr selbst fanatische Sammler von Tonträgern seid, oder? Warum habt Ihr „Ursprung“ nicht auch als Vinyl veröffentlicht

M: >> Ein Französisches Label ist erst kürzlich mit Veröffentlichungsplänen für „Ursprung“ auf Vinyl an uns heran getreten, wir haben uns aber noch nicht dafür oder dagegen entschieden. <<

W: >> Ja, da steht schon das eine oder andere musikalische Kleinod in der Vitrine, Vinyl wäre eine echt feine Sache, aber halt auch eine Kostenfrage. <<

J: >> Mit der Holzbox wollten wir dem Wunsch der Sammler Rechnung tragen, etwas Außergewöhnliches von „Traum’er Leben“ zu besitzen. Wir halten die Kiste für sehr gelungen und auch recht hochwertig. Wer selbst noch keine musikalischen Versuche unternommen hat, bekommt hier eine erste Gelegenheit, sich mit der beigefügten Flöte dem Thema anzunähern. Die Box ist übrigens inzwischen ausverkauft. <<

Eine enge Verbundenheit zur Natur auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein modernes Medium wie Myspace. Wie geht das zusammen? J

TL: >> Es ist nicht verständlich, wieso die Verbundenheit zur Natur mit modernen Medien nicht zusammen passen sollte. Wir sind ja schließlich keine Höhlenmenschen. Nähe zur Natur halten wir nicht für altmodisch, sie ist höchstens unüblich, da sie in der modernen Gesellschaft eben wenig Platz eingeräumt bekommt. <<

Ihr habt vor kurzem in Barcelona beim „Ethereal Fest 07“ gespielt. Was waren eure Erwartungen im Hinblick auf dieses Festival? War dies euer erster Auslandsauftritt?

TL: >> Ja, wir haben zum ersten Mal außerhalb der Landesgrenzen gespielt und waren im Vorfeld sehr neugierig darauf, was uns in Katalonien erwartet. Wir hatten auf dem WGT bereits die Gelegenheit, einige Spanier kennen zu lernen. Dies waren sehr positive menschliche Begegnungen, die in Barcelona selbst noch einmal übertroffen wurden. Von der Organisation bis zu den Zuhörern waren wir übermäßlich beeindruckt, hatten sehr nette Gespräche und wären gerne noch länger dort geblieben. <<
http://www.traumerleben.de
Michael Kuhlen

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